Interventionelle Schmerztherapie an der Wirbelsäule – gezielt gegen den Schmerz
Bei der interventionellen Schmerztherapie werden Medikamente gezielt an Wirbelsäulenstrukturen appliziert – präzise, wirksam und minimalinvasiv. Die Behandlung kann Beschwerden deutlich lindern, wenn rein konservative Maßnahmen nicht ausreichen.
Wann ist die Therapie sinnvoll?
Eine Injektionstherapie an der Wirbelsäule ist dann sinnvoll, wenn Rückenschmerzen trotz konservativer Maßnahmen wie Bewegung, Physiotherapie oder Medikamenteneinnahme anhalten oder wenn die Rückenschmerzen zu stark sind, um eine aktive Behandlung zu ermöglichen.
Daher kann sowohl bei akuten als auch bei chronischen Beschwerden die gezielte Applikation von Medikamenten in die Nähe der schmerzverursachenden Strukturen helfen, den Schmerz zu lindern, Entzündungsreaktionen zu reduzieren und so die Mobilität wiederherzustellen.
Da man die Medikamente direkt an die Zielstruktur bringt, kann die Gesamtdosis an Medikamenten, die man dem Körper zuführt, deutlich gegenüber einer Tabletteneinnahme reduziert werden.
Bei akuten Schmerzen kommt die Injektionstherapie zum Einsatz bei plötzlich einschießenden, oft ausstrahlenden Beschwerden, wie man sie typischerweise bei einem „Ischias“ oder einer Lumbalgie mit Ausstrahlung kennt. In solchen Fällen können Injektionen die gereizten Nerven abschwellen lassen und die Schmerzweiterleitung unterbrechen. Patienten kommen schneller wieder zurück zu Bewegung und Alltagstauglichkeit und können wieder mit Rückenübungen beginnen.
Bei chronischen Rückenschmerzen, die über Wochen oder Monate bestehen, kann eine Injektionstherapie dann sinnvoll sein, wenn rein konservative Therapien nicht ausreichend wirken. Häufig handelt es sich in solchen Fällen um degenerative Veränderungen an den kleinen Wirbelgelenken (Facettengelenke), chronisch gereizte Nervenwurzeln oder ein persistierendes Schmerzsyndrom im Bereich des Iliosakralgelenks. In solchen Fällen kann die Injektion nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch diagnostisch klären, ob z. B. eine Denervierung (gezielte Verödung der Schmerzfasern) in Frage kommt. Zudem kann sie einen „Teufelskreis“ aus Schmerz, Schonhaltung und Muskelverspannung unterbrechen, der häufig zur Chronifizierung beiträgt.
Wichtig ist: Die Injektionstherapie ist kein Ersatz für aktive Therapie, sondern eine ergänzende Maßnahme mit dem Ziel, den Schmerz so weit zu senken, dass Patientinnen und Patienten wieder aktiv an ihrer Genesung mitwirken können – sei es durch Bewegung, gezielte Übungen oder Gewichtsreduktion.
Die Injektionstherapie sollte immer eingebettet sein in ein multimodales Schmerzkonzept.
Wie läuft die Therapie ab?
Bevor eine Injektionstherapie an der Wirbelsäule durchgeführt wird, stellt der Orthopäde anhand einer körperlichen Untersuchung und ggf. anhand bildgebender Verfahren (z. B. MRT) die genaue Ursache der Beschwerden fest und prüft, ob die Therapie sinnvoll ist.
Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert nur wenige Minuten. Der Patient muss nicht nüchtern sein. Der Patient liegt entspannt auf dem Bauch. Die betroffene Region wird zunächst sorgfältig desinfiziert und anschließend die Haut örtlich betäubt, sodass der Einstich der eigentlichen Injektionsnadel kaum oder nur als leichter Druck zu spüren ist.
Unter Röntgen-Durchleuchtung (Bildwandler) wird die feine Injektionsnadel präzise an die Zielstruktur (z. B. Nervenwurzel oder kleines Wirbelgelenk) geführt.
Die Bildgebung funktioniert dabei wie ein „Live-Video“: Der Arzt kann in Echtzeit beobachten, wie sich die Nadel im Gewebe bewegt und kontrolliert exakt ihre Lage. Die Strahlenbelastung ist dabei sehr gering – deutlich geringer als bei einem Transatlantikflug nach New York.
Sobald die richtige Position erreicht ist, wird das Medikament injiziert. Der Patient ruht anschließend noch kurz und kann die Praxis meist nach etwa einer halben Stunde wieder verlassen. Bereits am Folgetag kann und sollte wieder normale Bewegung erfolgen.
In der Regel sind mehrere Sitzungen im Abstand von 2-4 Wochen notwendig.
Als Medikament kommen unterschiedliche lokale Betäubungsmittel sowie verschiedene Kortikosteroide zum Einsatz. Die Therapie kann bei einzelnen Indikationen auch mit Wachstumsfaktoren aus dem Eigenblut (PRP, ACP) oder Hyaluron durchgeführt werden. Falls Hyaluron oder Wachstumsfaktoren zum Einsatz kommen, übernehmen die gesetzlichen Versicherungen allerdings die Kosten nicht.
Erfahren Sie hier mehr über die einzelnen Injektionstechniken
Facettengelenksinfiltration
Die kleinen Wirbelgelenke können z.B. durch Verschleiß gereizt werden und damit sowohl lokale Rückenschmerzen als auch ausstrahlende Schmerzen verursachen. Durch ein direktes Umspritzen der Gelenke mit einem lokal wirksamen Betäubungsmittel sowie einem Kortisonzusatz und ggf. einem komplementärmedizinischen Zusatz soll die Reizung behandelt und damit der Schmerz reduziert werden. Um die Nadel bei dieser Infiltration exakt zu positionieren, ist eine Röntgenkontrolle sinnvoll.
Radikulographie / periradikuläre Therapie
Teilweise wird nur eine einzelne der großen Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark austreten, durch z.B. einen Bandscheibenvorfall betroffen. In diesem Fall kann man die betroffene Wurzel unter Röntgenkontrolle mit Betäubungsmittel und einem Kortisonzusatz sowie ggf. einem komplementärmedizinischen Zusatz umspritzen.
Bei dieser Infiltration kann es zum sogenannten Memory Pain kommen, also einem einschießenden elektrisierenden Schmerz ähnlich der zu behandelnden Beschwerdesymptomatik.
Infiltration an das Kreuz-Darmbein-Gelenk (ISG oder SIG)
Meist sind Blockaden oder Entzündungen die Ursache für das SIG-Syndrom. Die Schmerzen befinden sich in der hinteren Becken-Lendenregion und können diffus ins Gesäß oder in die Beine ausstrahlen. Durch ein direktes Einspritzen in das Gelenk und an den umgebenden Bandapparat soll eine Entzündungs- und Schmerzhemmung erreicht werden.
Ausschlusskriterien, Nebenwirkungen und Kostenübernahme
Nicht jeder Patient ist für die Injektionstherapie geeignet. Aktive Infektionen können ebenso ein Ausschlusskriterium darstellen wie die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten oder eine Schwangerschaft. Wir beraten Sie gerne individuell.
Wie bei allen Verfahren in der Medizin ist eine Wirksamkeit nicht garantiert. Im schlimmsten Fall können die Beschwerden auch verschlechtert werden oder es kann zu Komplikationen wie Infekten, Blutungen oder Nervenverletzungen kommen. Wir klären Sie vor der Therapie ausführlich auf.
Die Kosten für die Therapie werden von allen gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen vollständig übernommen.
Bildwandlergestützte Injektionen an der Wirbelsäule sind ein evidenzbasiertes Verfahren zur gezielten Schmerztherapie – besonders bei radikulären Beschwerden, Facettensyndrom und ISG-bedingten Schmerzen. Die Bildkontrolle sorgt für Präzision und Sicherheit, die Medikamente wirken überwiegend lokal, die Schmerzen können meist effektiv therapiert werden. Risiken sind selten – bei sorgfältiger Patientenauswahl und Durchführung lässt sich der Nutzen gut abschätzen.
Diese Therapie ersetzt nicht Bewegung, Physiotherapie oder präventive Maßnahmen – sie soll Schmerzen lindern, Bewegung ermöglichen und zur Teilnahme an Rehabilitationsprogrammen beitragen.




